Im Jahr 2015 fuhren meine Frau und ich das erste Mal nach Japan. Unser Ziel war damals im Wesentlichen der Pilgerweg der 88 Tempel auf der Insel Shikoku. Damals planten wir, nach der Flugankunft in Osaka den Startpunkt in der Stadt Okayama vorzunehmen. Die uns damals verfügbaren Reiseführer verwiesen bei Okayama auf einen interessanten Park, den Korakuen. Ohne spezielle Absicht dachten wir also, diese Sehenswürdigkeit einfach so „mitzunehmen“. Als wir dann aber dort waren, am zweiten Morgen unseres Aufenthaltes in Japan, machte der Rundgang durch diesen Garten mit uns etwas ganz Besonderes. Er zog uns vollständig in seinen Bann, faszinierte uns von seiner Neuartigkeit. Der Korakuen war der erste tiefe Eindruck von der ganz besonderen japanischen Gestaltungsfähigkeit und seiner tiefen ruhestiftenden Wirkung auf unser Gemüt. Dieses Erlebnis wiederholte sich dann in zahlreichen, auch kleineren Gärten und Tempelanlagen, die wir daraufhin besuchen konnten und geradezu suchten.

Setobrücke

Tempel 75 des Pilgerweges der 88 Tempel auf Shikoku

In den bisher durchgeführten Reisen 2015 und 2016 konnten wir zahlreiche Buddhistische Tempel und eindrucksvolle Gartenanlagen besuchen – darüberhinaus mit Kyoto und Nara zwei historische japanische Kaiserstädte mit einer großen Zahl von Sehenswürdigkeiten, die in die Liste des Unesco-Weltkulturerbes aufgenommen wurden.

Eine besondere Bedeutung hat für uns die Philosophie des Zen gewonnen. Der Übungsweg im Zen (Zazen ~ Meditation im Sitzen) hat in den letzten Jahren immer mehr Aufmerksamkeit in den westlichen Ländern gefunden. In der fernöstlichen Praxis ist Zen seit Jahrhunderten tief verwurzelt und im Grunde keine Religion, sondern ein Weg des Übens und Ausübens bis hin zur Haltung. Insbesondere der sog. Zen-Buddhismus in Japan prägt diesen Weg.

Viele japanische Gartenanlagen in Parks oder Tempeln sind im Zen begründet. Blumen und blütentragende Bäume fehlen fast ganz. Es herrscht die grüne Farbe vor. Die im Mittelalter aus Südchina aufkommende Zen-Sekte und die Tuschemalerei beeinflusste die Gartengestaltung. An die Stelle von Blumen und blütentragende Bäumen und Sträuchern traten immergrüne Bäume als Symbol der Ewigkeit.

Ritsurin-Park in Takamatsu, Shikoku

Auffallendes Element ist das Wasser. Wasser verleiht der Seele des Menschen Stille und Ruhe. Japan ist ein Inselreich. Darin gründet sich seine Identität. So können Wasserläufe, Wasserfälle, Flusslandschaft, Hügel, Brücken usw. in die Gartengestaltung aufgenommen werden; alle Gestaltungselemente im verkleinerten Maßstab. Dazu kommt die Beschränkung der Ausdrucksmittel: das Haus liegt versteckt hinter Bäumen, bei den Steinen bleibt nur ein Teil der tief in die Erde versenkten Steine sichtbar, Steinlaternen werden teilweise durch Blätter verdeckt. Hochgeschwungene Brücken erlauben eine gute Aus- und Übersicht über den Garten.

Saiho-ji  "Moostempel"

Wir haben einiges von der japanische Kultur kennenlernen können –so auch die sog. Teezeremonie. An Stellen im Garten oder Park mit einem schönen Ausblick, sei es am Wasser oder auf einer Anhöhe, werden gern Teehäuser oder Gartenlauben errichtet. Nachdem sich die Teezeremonie im 16. Jahrhundert durchgesetzt hat, begann man den Teeraum nicht nur als besonderen Raum im Haus, sondern als selbständige Hütte im Garten anzulegen. Ein besonders großartiges Beispiel ist  das Teehaus Shokin-tei und weitere Teehäuser im Garten der Kaiserlichen Katsura-Villa oder der Teepavillon am See im Ritsurin-Garten, Takamatsu. Die Ausstattung ist schlicht und soll eine geistige Schönheit ausdrücken. In die gleiche Richtung wirkte die Teezeremonie;  wesentlich war, dass der Garten im Betrachter das Gefühl von Reinheit und Ruhe erwecken sollte.

 

Teezeremonie (Tempel bei Nara)

In 2018 erfolgte die dritte Japan-Reise. Ziel war der Saigoku Kannon Pilgerweg der 33 Tempel, sowie erneut Kyoto und Nara.

(Betrachtungen 9-11)

 

Bisher gestaltete Betrachtungen:

1.) Insel Shikoku - Pilgerweg der 88 Tempel

2.) Erster Reisebericht Japan 2016

3.) Pilgerweg der 88 Tempel – ein Gebet

4.) Zur Ruhe kommen I

5.) Zur Ruhe kommen II - Unerschöpfliche Inspiration

6.) Japanische Gärten – Wege in die Kontemplation III

7.) Frühlingsbegrüßung - Kirschblüte

8.) Stille Einblicke

9.) Gläubiges Staunen

10.) Saigoku Kannon Pilgerweg der 33 Tempel auf Honshu, Japan

11.) Innehalten - im Tempelgarten

 

Itsuri Schrein (Inlandsee in der Nähe von Hiroshima)

 

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