Nach den Japan-Reisen 2015 und 2016 und persönlichen Pilgererfahrungen auf dem Pilgerweg der 88 Tempel auf der Insel Shikoku stand nun 2018 eine weitere Reise nach Japan an; dieses Mal wollten meine Frau und ich den Saigoku Kannon Pilgerweg der 33 Tempel erfahren.

Der Saigoku-Pilgerweg ist ein buddhistischer Pilgerweg auf Honshū, der größten der 5 Hauptinseln Japans. Er  verläuft im gesamten Gebiet von Kansai im Westen und verbindet 33 Tempel, die alle sogenannten Kannon geweiht sind. Es ist der älteste und populärste Pilgerweg Japans und etwa 1300 km lang. Kannon Bosatsu (jap.) oder Bodhisattvas sind Mittlergestalten, ähnlich den christlichen Heiligen, die daran interessiert sind, den Menschen und allen anderen fühlenden Wesen zur Erleuchtung zu verhelfen.

 

Namensbedeutung

Kannon ist seit ihrer Ankunft Ende des sechsten Jahrhunderts in Japan eine der beliebtesten Gottheiten im buddhistischen Pantheon. Der Name Kannon ist eine Kurzform von 'Kanzeon' und setzt sich aus den Schriftzeichen kan für „betrachten, anschauen, einen Blick auf etwas werfen“, oder „Anschauung, Ansicht“ und on „Ton, Laut, Schall“ zusammen. Daraus ableitend bedeutet Kannon so viel wie "die Töne (oder auch Gebete) der Welt wahrnehmend". Aus dieser Beschreibung ergibt sich die Aufgabe der mitfühlenden Bodhisattva, nämlich den Gebeten und Rufen von den auf der Erde lebenden Menschen zu lauschen und ihnen zu helfen Erlösung zu finden. (www.univie.ac.at)

Kannon ist die Gottheit, die unmittelbar auf die Anrufung des Namens mild unterstützend reagiert. Insoweit gibt es das Verständnis von Kannon als „Gottheit des Mitleids oder der Barmherzigkeit“, ähnlich der Mutter Gottes und Fürsprecherin im Christentum.

 

Christliches Gebet an Maria, die Mutter Gottes

O Jungfrau Maria:

Noch nie ist jemand, wenn er sich zu dir geflüchtet, deinen Beistand angerufen, um deine Fürbitte gefleht hat, von dir verlassen worden.

Zu dir komme ich, Mutter des ewigen Wortes, höre mich gnädig an und erhöre mich.

(nach Bernhard von Claivaux)

Die 33 Kannon des Pilgerweges

 

Die Beliebtheit des Pilgerns in Japan hat in den letzten Jahren zugenommen. Heute wie früher verbinden sich Pilger durch ihre hingebungsvolle Praxis mit der langen Tradition der Pilgerfahrt in ihrem Land, aber auch indirekt mit den Heimatländern des japanischen Buddhismus, lndien und China. Je nach dem, wem der Pilgertempel gewidmet ist, besuchen die Pilger gleichzeitig das ,,Land“ der Gottheit oder den Heiligen, der in der Tempelhalle präsent ist.
Kannon tritt den Gläubigen in verschiedenen Gestalten entgegen, je nachdem, wie es die Situation erfordert. Im Kern handelt es sich aber jeweils um den gleichen Bodhisattva, der bloß dem Auge des Unerleuchteten als vielgestaltig erscheint.

Karte Saigoku 33 Kannon Pilgerweg

In der Ankündigung eines Vortrags am Japanischen Kulturinstitut Köln diesen Jahres heißt es:

Die Regeln für die rituellen Abläufe der japanisch buddhistischen Pilgerfahrt wie etwa die Rezitationen und Lieder, die Zeit der Pilgerreise, die Art der Kleidung und andere Vorgaben sind einerseits konkret genug, um der Pilgerfahrt einen festen Rahmen zu geben.
Es besteht daneben stets genügend Spielraum sowohl für einzelne Reisende als auch für organisierte Gruppen, die Besuche zu den Tempeln individuell zu gestalten.

Zu den folgenden Betrachtungen

Die sehr persönliche Auswahl und Darstellung der Erfahrungen und Erlebnisse trägt einen sehr meditativen Charakter. Das soll insbesondere unterstützt werden durch die Gestaltungsform von freien Kollagen und Begleitung mit hoch meditativer, entspannt ruhiger Musik des Japaners Sōmei Satōh.

Sōmei Satōh, 1947 in Sendai Japan geboren, steuert hier eine meditative Musik mit Soloinstrumenten bei: Harfe, Flöte, Klarinette oder Piano. Seine Musik ist sehr begrenzt auf einzelne, wenige Klangelemente und deren außerordentlich ruhigen Wiederholungen. Damit öffnet er uns einen großen Raum, in den wir hineinspüren können - auch Sehend mit den Augen -, jeder für sich; im Raum der Ruhe, der es ermöglicht, in der Gegenwart zu sein.

Nehmen wir die Kannon also wörtlich und betrachten wir sie gläubig staunend und musikalisch anrufend. Es benötigt zum sich auf die beiden Betrachtungen einzulassen sehr viel Geduld und ein gutes Maß, sich selbst zu Öffnen, mit Augen und Ohren – und vor allem mit dem Herzen. Vielleicht können Sie in den folgenden Minuten auch ein wenig davon Erspüren, was mich selbst so sehr bereichert und bewegt hat.

Zu der Betrachtung I: Tempel 1-16

(25`)

 

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Zu der Betrachtung II: Tempel 17-33

(33`)

 

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Die buddhistischen Pilger beten vor den Gottheiten im Tempel insbesondere das Herzsutra oder das Lotus-Sutra.

 

aus dem Lotus-Sutra

 

Der, der die Rufe der Welt beachtet,

Avalokiteshvara, rein und heilig,

Ist fähig, denen, die in Leid, Bedrängnis, Tod und Gefahr,

Ein unumstößlicher Hort zu sein.

Vollkommen in allen Verdiensten,

Blickt er mit mitleidvollen Augen auf die Lebewesen.

Die Menge seiner glückhaften Zuwendungen ist unermesslich wie das Meer.

Deshalb muss man ihn verehren, indem man den Scheitel zu Boden neigt.

 

Als Christ möchte ich folgendes Gebet an das Ende stellen.

Gebet aus Psalm 57

 

Erbarm dich, Gott, hab Erbarmen mit mir

Bei dir suche ich Zuflucht     

Im Schutze deiner Flügel will ich mich bergen,

bis das Unglück vorüber ist.

Gott steht mir bei,

denn er ist treu und gütig.

Mein Herz ist ruhig geworden, Gott,

ich fühle mich wieder sicher,

mit einem Lied will ich dich preisen.

Dir, Herr, bringe ich meinen Dank

Von dir will ich singen vor allen Völkern.

O Gott, Du mein Gott, mein Leben lang will ich dich preisen.

 

 

 

 

Wer noch mehr "Japan" betrachten möchte, findet das über folgenden Link:

INNEHALTEN - im Tempelgarten.

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